Schueler
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Zweisprachig in Lyon

Oken-Schüler besuchten gemeinsam mit Eleven des Lycée Marc Bloch die französische Metropole

Seit nunmehr sieben Jahren besteht eine Kooperation des Oken-Gymnasiums mit dem Lycée Marc Bloch aus Straßburg. Die diesjährige Drittortbegegnung, einer besonderen Form des Schüleraustauschs, bei dem deutsche und französische Schüler gemeinsam für eine Woche auf Studienfahrt gehen, führte die Schüler nach Lyon.

Nach einer Kennenlernphase, in der zahlreiche theaterpädagogische Arrangements den Schülern ermöglichten, noch am Reisetag miteinander in Kontakt zu treten, konnten Deutsche und Franzosen am zweiten Tag einen lebendigen Eindruck von Lyon anhand einer Stadtführung gewinnen. Sie begann mit der auf einer Anhöhe gelegenen Basilika La Fourvière und fand ihre Fortsetzung in einem Spaziergang in den engen Gassen des alten Lyon. Am Nachmittag wurden die Schüler zunächst auf das Commedia dell’arte – Stück Les jumeaux de Naples (Die Zwillinge aus Neapel) eingestimmt. Nach der gelungenen Theateraufführung bereiteten die Schüler in Kleingruppen Fragen an die Schauspieler des Stücks vor, um das Gesehene im Gespräch mit den Akteuren zu reflektieren. In Theaterworkshops sammelten sie schließlich erste praktische Erfahrungen in Mimik und Gestik und in kleinen Improvisationen, was ihnen große Freude bereitete. „Die Kennenlernspiele und die Workshops fand ich super, da wir dadurch auf die Franzosen zugehen konnten und uns viel schneller kennengelernt haben”, stellte Luisa Tschopp, Schülerin der 10a, fest.

Der zweite Teil der Schülerbegegnung widmete sich dem Thema Stadtentwicklung. Die Schüler besuchten das Museum Tony Garnier, der eine menschlichere Architektur in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts verwirklichen wollte, und das Stadion von Olympique Lyon, das er erbaute. Eine Reihe inhaltlicher Bezüge zwischen den Visionen von Tony Garnier und aktuellen städtebaulichen Maßnahmen konnten die Schüler feststellen, als sie das Brennpunktviertel Les Minguettes in Vénissieux erkundeten. Dort hatten sie Gelegenheit, mit Verantwortlichen des seit einigen Jahren laufenden Projekts – Grand projet de la ville – und Bewohnern des Viertels zu sprechen. „Sehr gefallen hat mir, dass wir nicht nur die Schokoladenseite von Lyon kennen lernen durften”, so Philipp Wilkowski, Schüler der 9c am Oken.

Höhepunkt der Fahrt war der Abschlussabend, den die Schüler intensiv in Ateliers vorbereitet hatten. In einzelnen Beiträgen wurden die Erfahrungen und Erlebnisse der Woche kreativ umgesetzt. Die Theatergruppe spielte ein konfliktgeladenes Drama, in dem sich ein algerisches Mädchen und ihre Mutter nicht der Partnerwahl ihres traditionell denkenden Vaters beugen. Eine weitere Gruppe ließ Reporter von unterschiedlichen Orten aus über Lyon berichten. Andere hatten in einem deutsch-französischen Chanson ihre Erlebnisse verarbeitet oder erzählten eine Geschichte anhand gestalteter Schuhcartons und einiger Objekte, die sie während ihres Aufenthalts darin gesammelt hatten. Es gab ein Lyon-Quiz, eine multimediale Diashow, und es galt, als Außerirdische die französische Metropole den zuhause gebliebenen Extraterrestrischen nahezubringen. Zudem führten nach einem Champions-League-Spiel zwischen Bayern München und Olympique Lyon ein deutscher und französischer Reporter Interviews mit Spielern und Trainern, indem sie vielzitierte „humorige” Sätze bekannter Fußballstars, die Kultstatus erreichen, in die Interviews integrierten.

Deutsche und Franzosen waren gemischt in den Vier- bis Sechsbettzimmern ihrer Unterkunft untergebracht. Durch die gemeinsamen Aktivitäten und gemischtsprachigen Projekte verloren die Schüler schnell ihre Zurückhaltung. „Wir sind immer mehr aufeinander zugegangen, und ich habe wichtige Wörter des Alltags gelernt”, sagte Paul Steiner, Schüler der 9c.

Tina Häberle und Frank-Jochen Saam, die begleitenden Lehrer des Oken-Gymnasiums, haben in den letzten Jahren das jetzige Konzept des Schüleraustauschs mit ihren französischen Kollegen erarbeitet:  „Die Schüler sollen über das Erfahrene in der Fremdsprache miteinander sprechen”, erläutern die beiden. Die Schüler zeigten sich von dieser Art des Austauschs begeistert: „Die Ateliers und die Programmpunkte waren wirklich großartig”, so Janine Matt, Zehntklässlerin am Oken.

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Miteinander leben und über gemeinsame Erfahrungen sprechen: Das deutsch-französische Sprachenprojekt war erneut ein Riesenerfolg.

Frank-Jochen Saam, Oken-Gymnasium

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