Schueler

Zeitzeuge

DDR-Zeitzeuge Mario Röllig zu Gast am Oken:

Unrecht darf nicht in Vergessenheit geraten

Unrecht darf nicht in Vergessenheit geraten. Für Mario Röllig, geboren, aufgewachsen  und großgeworden in der ehemaligen DDR, steht die Erinnerungskultur ganz oben auf seiner Agenda. Seine Herzensangelegenheit: Aufklärung über ein Deutschland, in dem Unfreiheit, Ungerechtigkeit und Unterdrückung an der Tagesordnung war. Dafür reist der sympathische Berliner durch die Welt. Kürzlich machte er einmal mehr Station im Oken-Gymnasium und nahm die Schülerinnen und Schüler der Kursstufe 1 mit auf eine Reise ins seine ganz persönliche Vergangenheit.

Die knapp 100 Schüler, geboren in einer  Zeit , als die DDR  längst Geschichte war, erhielten vom DDR-Zeitzeugen Röllig eine anschaulichen Einblick in das Leben eines kritischen DDR-Bürgers, der  versuchte, das Beste aus den Verhältnissen im sogenannten Arbeiter- und Bauernstaat zu machen. Das hieß eine durchaus glückliche Kindheit mit Anpassung vor und relativer Freiheit hinter der Haustür, eine martialischen Schulzeit mit Handgranaten-Weitwurf im Sportunterricht, mit praktischer Einweisung in den Umgang mit einer Kalaschnikow oder
mit regelmäßigem Zielschießen auf  Pappfiguren in Bundeswehr-Uniform als Vorbereitung auf die zu erwartende Auseinandersetzung mit dem Klassenfeind in der BRD.

Was darauf folgte, war ein Albtraum mit Happy-End:  Röllig geriet mit 17 ins Fadenkreuz  des Ministeriums für Staatssicherheit, sollte einen westdeutschen Politiker ausspionieren, lehnte dies ab, verlor dadurch  alle Privilegien, versuchte erfolglos über Ungarn in den Westen zu flüchten und  musste  anschließend ein dreimonatiges Martyrium  im Stasi-Untersuchungsgefängnis  Hohenschönhausen erdulden, ehe er für 90000 Mark von der BRD freigekauft und ausgebürgert wurde.” So ging mein Traum von persönlicher Freiheit”, so  Röllig, “den ich  nie aufgegeben hatte, doch noch in Erfüllung.”

Sichtlich beeindruckt verfolgten die Schüler mucksmäuschenstill Rölligs packenden Vortrag und sparten am Ende nicht mit Applaus für eine spannende Geschichtsstunde. Als kleine Aufmerksamkeit gab es von der Fachschaft Geschichte eine Flasche “Roten Lorenz” zum Abschied.

N. Wickert