Schueler

Lateiner in Rom

Lateinschüler der Klasse 10 auf fünftägiger Studienfahrt:
Oken per pedes in Rom unterwegs
“Lebenspendende Sonne, du kannst wohl nichts Größeres erblicken als die Stadt Rom.”

Die ewige Stadt am Tiber, die schon vor über zweitausend Jahren den großen Dichterfürsten Horaz zu Begeisterungsstürmen hinriss, hat bis heute nichts von ihrem Zauber verloren. Davon konnten sich kürzlich die Schüler der Lateingruppe 10bc im Rahmen einer fünftägigen Studienfahrt vor Ort überzeugen. Untergebracht in einer zentral gelegenen Klosterherberge ganz in der Nähe des Piazza Navona, sorgte ein straff organisiertes Besichtigungsprogramm für Kurzweil und reichlich Gesprächsstoff. In Begleitung der beiden Lateinlehrer Barbara Claessen-Piot und Norbert Wickert erliefen sich die Oken-Schüler bei einem Schnitt von täglich zwischen 15 und 20 km Fußmarsch Highlights der italienischen Hauptstadt. Mit dabei der Schüler Michael Kümmeth, der im folgenden von seinen Eindrücken berichtet:

Die Studienfahrt nach Rom war im Großen und Ganzen sehr spannend und aufregend. Ungewöhnlich entspannt und ohne große Zwischenfälle begann die Reise am Flughafen Basel. Spätestens, nachdem eine sanfte Landung auf Flughafen Fiumicino nach eineinhalb Stunden für den ersten Kontakt mit italienischen Boden gesorgt hatte, machte sich erwartungsvolle Neugier auf die Stadt mit ihren offenen und verborgenen Schätzen breit.

Nach schnellem Verstauen unserer Koffer in der Unterkunft führte uns eine unterhaltsame Besichtigungstour durch das Zentrum zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Dazu gehörten u. a. der Piazza Navona mit dem Vier-Ströme-Brunnen, das Phanteon, die Fontana di Trevi, die Spanische Treppe, das Ara Pacis – Museum mit dem Augustusmausoleum und die prächtige Engelsburg. Die meisten Teilnehmer waren von der tatsächlichen Größe der Besichtigungsobjekte ziemlich beeindruckt, nur die wenigsten konnten sich in ihrer Phantasie die gewaltigen Ausmaße der besichtigten Piazzen, Bauwerke und Denkmäler vorstellen.
Den meisten hat dabei das Pantheon mit seiner Riesenkuppel am besten gefallen – zweifellos ein Wunderwerk der römischen Baukunst. Der barocke Trevi-Brunnen und die Engelsburg, eigentlich Mausoleum des Kaisers Trajan, haben uns dagegen vor allem mit ihrer Schönheit und ihrer Größe fasziniert.

Am zweiten Tag stand mit dem Forum Romanum, dem Palatin, dem Kolosseum und dem Konstantins-Bogen das antike Rom auf dem Programm. Anders als erwartet, erlebten wir – relativ früh am Morgen – ein unerwartet wenig bevölkertes Forum Romanum, ein Ort, von dem eigentlich bekannt ist, dass dort jedes Jahr Millionen von Touristen durchgeschleust werden. Als Leckerbissen der besonderen Art entpuppte sich eine geführte Besichtigungstour unter Tage durch die unterirdischen Überbleibsel der Domus Aurea, Neros goldenen Palast, dessen frühere Größe und Schönheit man sich dank einer virtuellen Reise ins erste Jahrhundert nach Christus gut vorstellen konnte. Unübersehbar präsentierte sich in der Nähe das weltberühmte Kolosseum, das wir in Anbetracht seiner gewaltigen Ausmaße, seiner Schönheit und seines guten Erhaltungszustandes unbedingt auch von innen ansehen wollten. Leider mussten wir diesbezüglich wegen des komplizierten Reservierungssystems der italienischen Behörden einige Tage darauf warten.

Am nächsten Tag stand bei leicht regnerischem Wetter sinnvollerweise der Besuch der Kapitolinischen Museen mit ihren weltberühmten römischen Kunstwerken wie die kapitolinische Wölfin, der Dornauszieher, der sterbende Gallier, das küssende Liebespaar oder Leda mit dem Schwan auf dem Programm. Das war sehr beeindruckend, da man besagte Kunstwerke nur aus dem Lateinunterricht von Bildern kannte. Mittags ging es raus aus Rom nach Tivoli in die Villa d’Este mit ihrem faszinierenden Renaissance-Garten. Hier gab es eine bunte Gartenanlage mit zahlreiche Brunnen und Wasserspielen zu sehen. Die Busfahrt nach Tivoli war turbulent und aufregend, die Rückfahrt nach Rom wurde durch das tägliche 24-Stunden-Verkehrschaos zu einer mehrstündigen Bus-Odyssee mit spätem Happy-end. Fast wäre dabei das leckere Abendessen für die hungrigen Irrfahrer ins Wasser gefallen.

Am folgenden Morgen ging es zum Papst in den Vatikan. Das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche bekamen wir zwar nicht zu Gesicht, aber dafür eine exklusive Führung durch die Nekropole unter dem Petersdom. Die Besichtigung führte uns dabei entlang eines früh- und vorchristlichen Gräberfeldes, das mit seinen Grabmälern bis auf den heutigen Tag das Fundament für die gewaltige Peterskirche bildet, zum vermeintlichen Petrus-Grab, dem Höhepunkt und Abschluss der spannenden Führung. Über die Papstgräber konnten wir dann direkt ins Innere der prunkvollen Peterskirche überwechseln. Das war eindeutig das Highlight der Studienfahrt, da man sich die Ausmaße des Doms nicht im Traum vorstellen kann.

Nach einer wohlverdienten Mittagspause trafen wir uns anschließend zu einem lockeren Spaziergang durch das malerische Stadtviertel Trastevere, das angesagteste Ausgehviertel von Rom, in dessen Zentrum die alte, von außen unscheinbare, im Inneren aber wunderschöne Kirche St. Maria in Trastevere liegt.

Als künstlerisch und kulturell besonders wertvoll entpuppte sich der Besuch der Galleria  Borghese mit ihren weltberühmten Bernini- Skulpturen Aeneas Flucht aus Troja, Raub der Proserpina oder Apollo und Daphne.

Müde und erschöpft, aber voller Eindrücke und ein bisschen wehmütig ging es dann am Donnerstag in aller Frühe ohne große Zwischenfälle zum Flughafen Fiumicino und von dort zurück nach Basel. Die Tage in Rom werden uns mit Sicherheit noch lange und stets in guter Erinnerung bleiben.”

Schade nur, dass einige wenige Teilnehmer aufgrund unverschuldeter Nicht-Einhaltung von Selbstverständlichkeits-Regeln den Blick ins Innere des Kolosseums oder die Besichtigung des Gräberfeldes unter dem Petersdom verpasst haben. Aber eine Hoffnung bleibt: Sofern sie eine Münze in den Trevi-Brunnen geworfen haben, kann mit an Sicherheit grenzender  Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass sie irgendwann nach Rom zurückkehren werden. Und dann können sie ja das Versäumte nachholen.

M. Kümmeth