Schueler
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Hamburg auf Deutsch-Französisch

Hamburg auf deutsch-französisch

Schüler des Oken besuchen mit Eleven aus der elsässischen Metropole die Hansestadt

Seit vier Jahren besteht eine Kooperation des Oken-Gymnasiums mit dem Lycée Marc Bloch aus Straßburg. Antibes, Berlin, Paris und Hamburg waren bisher die Ziele einer neuartigen Form des Schüleraustauschs, bei dem deutsche und französische Schüler für eine knappe Woche an einen dritten Ort fahren, um miteinander zu leben und sich in der Fremdsprache zu begegnen.

„Auf zu neuen Ufern/Vers de nouveaux horizons” lautete das Motto der diesjährigen Drittortbegegnung in Hamburg. Damit waren nicht nur die Ufer der Außen- und Binnenalster gemeint – obwohl natürlich auch eine Hafenrundfahrt, stilecht im Nieselregen, auf dem Programm stand.

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Miteinander leben, miteinander feiern: Das deutsch-französische Sprachenprojekt war ein Erfolg.

 

Da sich Deutsche und Franzosen die Vier- bis Sechsbettzimmer der Unterkunft teilten, waren die Schüler schon beim Zähneputzen gefordert, die jeweils andere Sprache zu sprechen. Bei den vielen gemeinsamen Aktivitäten und gemischtsprachigen Projekten verloren die meisten bald die Scheu, sich in der fremden Sprache auszudrücken. „Ich habe Vokabeln gelernt, die ich in der Schule vermutlich nicht gelernt hätte”, sagt Vera, 9. Klasse. „Man redet jetzt einfach drauf los und achtet darauf, verstanden zu werden”, fügt Charly aus der elften Klasse hinzu.

Gemeinsam besichtigten die Schüler die Hamburger Speicherstadt, den Hafen und die Auswandererwelt Ballinstadt, die die Geschichte der 4,4 Millionen Emigranten beleuchtet, die im 19. Jahrhundert in die Neue Welt aufbrachen. In Lübeck lernten sie in einer literarischen Führung das Buddenbrookhaus und die Schule Thomas Manns kennen und kosteten das berühmte Lübecker Marzipan. Mittels Fragebögen, Kurzvorträgen und einer Rallye vertieften sie das Gesehene in beiden Sprachen.

Höhepunkt der Begegnung war der Abschlussabend, den die Schüler jeweils in den Abendstunden der vorausgegangenen Tage vorbereitet hatten. In einzelnen Beiträgen wurden die Erfahrungen und Erlebnisse der Woche kreativ umgesetzt. Zwei Theatergruppen spielten eine Auswandererszene, eine andere Gruppe hatte ein deutsch-französisches Chanson einstudiert, die zur Hymne des Austauschs wurde und noch Tage danach im Oken erklang. Es gab ein Hamburg-Quiz, eine multimediale Diashow, die die Begegnung Revue passieren ließ, und es galt, deutsche und französische Touristen auf dem Hamburger Fischmarkt zum Kauf von „Hamburger Luft” oder „Alsterwasser” anzuregen. Durch den Abend führte ein zweisprachiges Moderationsteam.

Die Schüler waren sich einig, dass ihnen der Austausch sehr viel gebracht hat. „Ich habe tolle Erfahrungen gemacht”, so Sarina, 15. „Es hat wirklich Spaß gemacht, die Franzosen kennen zu lernen”, meint Kaspar (15). Und Charly fügt hinzu: „Es war interessant und witzig, wie wir alle mit Verständigungsproblemen umgegangen sind.”

Tina Häberle und Frank-Jochen Saam, die begleitenden Lehrer des Oken-Gymnasiums, stimmen mit ihren Kollegen vom Lycée Marc Bloch überein: „Nichts ist für das Erlernen der Fremdsprache besser, als mit Muttersprachlern zusammen zu sein.”

„Aber wir wollen mehr”, erläutern Tina Häberle und Frank-Jochen Saam. “Uns geht es darum, dass Franzosen und Deutsche über einen längeren Zeitraum miteinander in Kontakt bleiben. Ziel ist es daher, dass dieselbe Schülergruppe in zwei aufeinander folgenden Jahren einmal nach Frankreich, einmal nach Deutschland fährt. Die beiden Hauptstädte, Berlin und Paris, und zwei Hafenstädte, Hamburg und eine französische Hafenstadt, würden so im Wechsel zum Ort der Begegnung. Dadurch würden nicht nur – wie bei jedem Austausch – kommunikative und soziale Fähigkeiten gefördert, sondern auch interkulturelles Lernen direkt vor Ort ermöglicht. Wie und wo wird in Frankreich Politik gemacht? Wie funktioniert dagegen die Demokratie in Deutschland? Was ist in einer deutschen Hafenstadt anders als in einer französischen? Die Schüler könnten so durch praktische Anschauung direkt vergleichen und Unterschiede und Gemeinsamkeiten herausarbeiten.”

Badische Zeitung, vom 08. April 2009