Schueler
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Gurs

Gedenkfahrt nach Gurs vom 13. bis 15. Mai 2011

Der Bezirksverband Pfalz lädt jährlich Jugendliche aus allen Mitgliederstädten der „Arbeitsgemeinschaft zur Unterhaltung und Pflege des Deportiertenfriedhofs des Lager Gurs” zu einer Fahrt nach Gurs in Südfrankreich ein, um mehr über die Geschichte des Lagers und der Deportierten zu erfahren.

Nadine und ich nahmen als Alternative zu einer normalen GFS im Fach Geschichte an dem „Gedenkbuch im Salmen”- Projekt des Stadtarchivs Offenburg teil, in dessen Rahmen die einzelnen Schicksale von zur Zeit des Nationalsozialismus in Offenburg lebenden jüdischen Bürgern aufgearbeitet und in Form einer Biografie im „Ortenauer Gedenkbuch” in der Kippenheimer Synagoge und im Salmen, der ehemaligen Synagoge von Offenburg, ausgestellt werden.

Auf Anfrage unserer Projektleiterin Ina Stirm nahmen wir die Gelegenheit wahr, als Mitglieder der Offenburger Delegation, der unter anderem Frau Oberbürgermeisterin Edith Schreiner, Zeitzeugin Eva Mendelsson und ihre Tochter Susie und Kulturamtsleiter Dr. Simon Moser angehörten, zu einer Gedenkveranstaltung nach Gurs zu reisen und mit anderen Jugendlichen aus den Mitgliedsstädten der Arbeitsgemeinschaft drei eindrucksvolle Tage zu erleben. Auf unserem Programm standen unter anderem die Besichtigung des Lagergeländes, das heute ein Wald ist, durch den der „Weg der Erinnerung”, gesäumt von Informationsstelen und nachgebauten Baracken, führt, ein Besuch in der Synagoge von Pau, ein Workshop mit dem Historiker Roland Paul, der uns Einzelschicksale näherbrachte, ein Zeitzeugengespräch mit Eva Mendelsson und die Gedenkveranstaltung mit den offiziellen Delegationen aus Deutschland und Frankreich auf dem Friedhof des Lagers Gurs.

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Das Internierungslager Camp de Gurs am Rande der Pyrenäen wurde vor dem zweiten Weltkrieg zur Unterbringung von politischen Flüchtlingen und spanischen Brigadisten und ab dem 22. Oktober 1940 zur Internierung von Juden aus Baden, der Pfalz und dem Saarland sowie anderen „Unerwünschten” benutzt. Insgesamt waren es 6.504 deportierte Personen; obwohl das Lager keine Tötungseinrichtung wie Auschwitz war starben jeden Tag auf Neue Internierte an den unmenschlichen Lebensbedingungen. Kälte, Ungeziefer, Krankheiten, die Enge und die ungeheuren Schlammmassen machten das Lager zur Endstation für Alte, Kranke und geschwächte Personen. Für viele war das Lager eine Zwischenstation auf dem Weg nach Auschwitz, andere konnten ausreisen oder wurden vom Schweizer Kinderhilfswerk „Oeuvre de secours aux enfants” gerettet. Zu letzteren zählt Eva Mendelsson, die als Neunjährige deportiert worden war. Sie überlebte und teilt ihre Erfahrungen und Erlebnisse mit Jugendlichen, um ihnen die Augen zu öffnen und sie zu ermutigen: „Ihr müsst aufmerksam sein und immer gleich eingreifen, wenn Schwächere oder Minderheiten bedroht werden.”

Von Nadine Walter und Lisa Decker

(Geschichtskurs Herr Wickert)