Schueler

Der Westwall

Geschichtsprojekt der Klasse 9b im Schuljahr 2013/14:

Der Westwall in der Ortenau – „zum Schutze Deutschlands“?

Im Rahmen der Unterrichtseinheit ‚Nationalsozialismus‘ beschäftigten sich 27 Schülerinnen und Schüler der Klasse 9b unter der Leitung ihres Geschichtslehrers Herrn Michael Bruder intensiv mit der Geschichte des Westwalls – einer militärischen Grenzbefestigung, deren Errichtung nicht allein im außenpolitischen Kontext der 1930er-Jahre stand, sondern zudem das Landschaftsbild der Ortenau sowie das Leben ihrer Bewohner drastisch veränderte.

Durch eine intensive Beschäftigung mit drei zeitgenössischen ns-propagandistisch gefärbten Quellen  (‚Offenburger Tageblatt’/ ‚Renchtäler Zeitung‘ vom Mai 1939; der ‚Westwall-Film‘, der in den Offenburger Kinos im Vorprogramm gespielt wurde; der NS-Roman von Werner Flack aus dem Jahr 1940, der auch in Offenburg sein Lesepublikum fand) schlossen die Schüler auf die zentralen Inhalte der Westwallpropaganda, wie sie der Ortenauer Bevölkerung innerhalb der völlig gleichgeschalteten Medienlandschaft der späten 1930er-Jahre in Schrift, Bild und Ton präsentiert wurde. Hierzu verschafften sich die Schüler selbst im Rahmen einer Quellenrecherche im Offenburger Stadtarchiv Zugang zu ihren jeweiligen Untersuchungsgegenständen und nahmen im Laufe des weiteren Projektverlaufs eine auf Selbstständigkeit und Handlungsorientierung angelegte methodisch fachgerechte Analyse ihrer jeweiligen Quelle vor. Den Schülerinnen und Schülern gelang es so den Intentionen sowie der Vorgehensweise nationalsozialistischer Propaganda nachzuspüren, die die innen- wie außenpolitischen Ziele, die das NS-Regime in diesen Jahren verfolgte, bestmöglich zu unterstützen suchte. Nach der Präsentation ihrer Gruppenergebnisse waren die Schülerinnen und Schüler im Rahmen einer Abschlussdiskussion in der Lage, differenziert Stellung zu der Frage zu beziehen, ob der Westwall in der Ortenau – wie es einzelne Propagandaerzeugnisse suggerierten – tatsächlich allein „zum Schutze Deutschlands“ errichtet worden sei. Insgesamt gelang so ein Transfer der ‚großen Geschichte‘ mit der Regionalgeschichte, der den Geschichtsunterricht spannend und anschaulich machte und in besonderem Maße historisches Denken förderte.

Eine Exkursion der Schülerinnen und Schüler in Begleitung von Herrn Bruder und Herrn Helge Schröder zu den Überresten des Westwalls in Altenheim am 18. Dezember 2013 bildete den Abschluss der gemeinsamen Projektarbeit. Nach einem einleitenden Kurzreferat Lukas Pawlettas zum ‚Westwall nach 1945‘ konnten die Schülerinnen und Schüler durch den fachkundigen Altenheimer Förster Gunther Hepfer einiges über die enorme ökologische Bedeutung erfahren, die den früheren Kampfanlagen in der Kulturlandschaft der westlichen Grenzregionen nach Kriegsende zukommt. So stellen die meist gesprengten Westwallanlagen in heutiger Zeit wertvolle von Menschenhand geschaffene Sekundarbiotope dar, in welchen eine Vielzahl mitunter seltener Klein- und Kleinstlebewesen sowie Pflanzen ideale Rückzugsgebiete und Lebensraum finden. Diesem Umstand ist es wesentlich mitzuverdanken, dass das Land Baden-Württemberg die Überreste des Westwalls im Jahr 2005 zum Kulturdenkmal erklärte, sodass diese steinernen Zeugen aus der Zeit des Dritten Reiches auch in Zukunft in der Landschaft der Ortenau verbleiben werden.

Hier geht es zu den Fakten zum Westwall in der Ortenau