Schueler

Feste Kaiser Wilhelm II

Oken-Geschichtskurs J2 besichtigt “Feste Kaiser Wilhelm II” in Mutzig: Die größte und stärkste Festungsanlage in Europa während des Ersten Weltkrieges

Offenburg/Mutzig im Elsaß. Das Deutsche Kaiserreich ist längst Geschichte, die “Feste Kaiser Wilhelm II” in Mutzig aber lebt und trotzt mit Erfolg dem Zahn der Zeit und dem Vergessen. Die stolze Festung, erbaut Ende des 19. Jahrhunderts, war sollte ursprünglich als unüberwindliches Bollwerk bei einem befürchteten Gegenangriff der Franzosen an der Südwestflanke dienen. Als Verriegelung der Rheinebene geplant spielte das Fort de Mutzig, wie es in Frankreich genannt wird, abgesehen von einen eintägigen Scharmützel im Ersten Weltkrieg allerdings so gut wie gar keine Rolle – zum Glück, denn es gibt heute wenige Verteidigungsanlagen, die noch so gut in Schuss, in der Nähe und begehbar sind.
Davon überzeugen konnte sich kürzlich der vierstündige Geschichtskurs der J2 der sich dieses Objekt, das im Ersten Weltkrieg mit 254 Hektar Fläche, 22 Panzertürmen, 7000 Mann Kriegsbesatzung als die größte und stärkste Festungsanlage Europas galt, für eine Erkundungstour ausgesucht hatte. Angeführt von Bernhard Just, einem ebenso energischen wie erfahrenen Experten ging es für die neun angehenden Abiturienten zusammen mit ihrem Geschichtslehrer Norbert Wickert auf einen zweieinhalbstündige und dennoch kurzweilige, spannende, manchmal aber auch unheimliche Reise unter Tage.

Beim Gang durch die moderne Festung, die mit 15 Millionen Goldmark, umgerechnet etwa 230 Millionen Euro, das Kaiserreich ordentlich Geld kostete, war alles zu sehen, was für einen reibungslosen Betrieb in einer einsatzbereiten Kaserne von Nöten war: Schlaf- und Operationssäle, Küchen, Bäckereien, Trinkwasser aus der Tiefe des Berges, Strom, der durch riesige Dieselmotoren erzeugt wurde, und natürlich offene Gemeinschaftslatrinen, an denen nach Auskunft von Bernhard Just brav Schlange stehen zum Alltag gehörte. Wer allerdings nach Essens-, Wasch- und Duschräumen Ausschau hielt, suchte vergebens, denn dafür, so hieß es, war kein Platz, keine Zeit und keine Notwendigkeit in Kriegszeiten, versteht sich.
Müde und erschlagen, aber sichtlich beeindruckt und froh, wieder im Freien zu sein und sich die strahlende Sonne auf den Kopf scheinen zu lassen, bedankte sich die Geschichtsdelegation aus Offenburg für die sehr spezielle, aber kurzweilige und spannende Führung und fand lobende Worte über den hervorragenden Zustand der Anlage, zweifellos ein großer Verdienst des Fördervereins “Feste Kaiser Wilhelm II e. V.”, der es sich seit 2000 mit knapp 100 Mitgliedern zur Aufgabe gemacht hat, bei der Restaurierung der Festungsanlage mitzuhelfen und die grenzüberschreitende und völkerverständigende Zusammenarbeit mit Frankreich im Rahmen des Elysee-Vertrages mitzugestalten. Zufrieden und ein bisschen klüger und erfahrener ging es anschließend für die Offenburger Junghistoriker von einem unvergesslichen Erlebnis praktischer Anschaulichkeit zurück an die Schule in den manchmal mühsamen Alltag des Schulunterrichts mit seiner nicht allseits geschätzten Abstraktions- und Theorielastigkeit.