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14.06.2008: “Ehrenrunde mit Denksport Test”

Anderthalb Stunden haben sie geknobelt, gestern wurden sie dafür geehrt: Sechs Ortenauer Klassen holten sich in Offenburg ihre Urkunde für »Mathematik ohne Grenzen« ab – und traten mathematisch und sportlich gleich noch mal gegeneinander an.

Von Alexander Gehringer

14.06.2008 – Offenburg. Im Jahr der Mathematik fand er bereits zum 19. Mal statt: der Wettbewerb »Mathematik ohne Grenzen«. Zehnte und elfte Klassen aus ganz Europa haben am 26. Februar anderthalb Stunden über Rechenaufgaben – mitten aus dem Leben gegriffen – ihre Köpfe rauchen lassen (siehe Hintergrund).
Als Drittbeste ihrer Altersstufe im Regierungsbezirk Freiburg wurde die 9e des Oken-Gymnasiums Offenburg – sie gehört zum achtjährigen Gymnasium und damit zur Kategorie »zehnte Klasse« – bereits im April in Rust geehrt. Gestern kamen nun im Saal des Offenburger Schiller-Gymnasiums die jeweils drei besten zehnten und elften Klassen der Ortenau zur Ehrung zusammen, die es nicht unter die ersten drei in Südbaden geschafft hatten.

Offenburg und Kehl vorn

Platz eins unter den Zehntklässlern belegten mit jeweils 57 Punkten die 10c des Oken-Gymnasiums Offenburg und die 10d des Offenburger Schiller-Gymnasiums (Platz fünf in ganz Südbaden). Ihnen folgte mit 56 Punkten die 10d der Heimschule St. Landolin in Ettenheim (Platz zwölf in Südbaden). Bei den Kollegen aus Klasse elf hatte das Einstein-Gymnasium Kehl mit der 11a den Vogel abgeschossen (Platz sieben in Südbaden); sie brachte es auf 75 Punkte und landete vor der 11b und der 11c des Robert-Gerwig-Gymnasiums Hausach, die 73 und 72 Punkte einheimsten (Platz 15 und 16 in Südbaden). Die C-Klasse lag schon zum zweiten Mal in Folge in der Spitzengruppe.

Die sechs Klassen trafen sich aber nicht nur, um ihre Urkunden und T-Shirts abzuholen. Sie bewiesen auch Kreativität mit Formeln und Linien. Passend zur Fußball-EM zeigten sie zum Beispiel, wie eine La-Ola-Welle berechnet wird oder wie mit drei Strichen ein M so durchkreuzt wird, dass darin neun Dreiecke erscheinen.

Und danach traten alle Klassen nochmals gegeneinander an – in einem »mathematisch-sportlichen Wettbewerb«. Hier mussten sie etwa herausfinden, an wie vielen Tagen mindestens drei Schüler Geburtstag haben, wenn jeden Tag 733 in eine Schule gehen – oder welche die kleinste von neun aufeinanderfolgenden ganzen Zahlen ist, wenn deren Summe 9 beträgt. Der andere Teil jeder Klasse versuchte inzwischen, bei Volley- oder Basketball viele Punkte zu holen.

Nach anderthalb Stunden hatte in Stufe zehn ein weiteres Mal die 10d des »Schiller« die Nase vorn. Die Schüler freuten sich über Karten für den Europa-Park, ihre Kollegen vom »Oken« und aus Ettenheim erwartet ein Besuch beim Südwestrundfunk. Auch die 11a des Kehler »Einstein« trug in ihrem Jahrgang erneut den Sieg davon – der Lohn: eine Führung durch die Kronen-Brauerei Offenburg. Die 11b aus Hausach als Zweitplatzierte darf die Hochkönigsburg besichtigen, ihre parallele C-Klasse auf Platz drei sich die Badischen Stahlwerke in Kehl ansehen.

Der Wettbewerb »Mathematik ohne Grenzen« entstand 1989 auf Anregung französischer Mathematiklehrer. 1991 wurde der Wettbewerb erstmals in Südbaden ausgetragen, 2008 fand er in 27 Ländern statt. Er richtet sich an zehnte und elfte Klassen vor allem von Gymnasien.


 

Zum Tüfteln: Aufgaben des Wettbewerbs »Mathe ohne Grenzen«

Die Klassen mussten in Teamarbeit zehn (10. Klasse) oder dreizehn (11. Klasse) Aufgaben innerhalb von 90 Minuten lösen. Hier eine Auswahl:

1.) Roselyne hat vor kurzem auf die Digitaluhr an der Wand geschaut- und geglaubt, zu spät zu sein. Doch sie hat die Anzeige mit deren Spiegelbild verwechselt und sich deshalb um 20 Minuten getäuscht. Spiegelverkehrt gesehen, zeigt die Uhr im Augenblick »00:51« an. Wann hat Roselyne auf die Uhr geschaut?

2.) Drei Bakterienstämme vermehren sich: Stamm A verdoppelt sich in zwei Stunden, Stamm B verdreifacht sich in drei Stunden, Stamm C verfünffacht sich in fünf Stunden. Welcher vermehrt sich am schnellsten, welcher am langsamsten?

3.) Elisabeth muss die zerbrochene Scheibe über ihrer Eingangstür ersetzen lassen. Die Scheibe ist durch eine Gerade von 104 Zentimetern und einen Kreisbogen begrenzt. Die Höhe der Scheibe beträgt 26 Zentimeter. Wie groß ist der Radius?

4.) In einer 5000-Einwohner-Stadt leben nur alte und junge Menschen. 20 Prozent der jungen Menschen halten sich für alt, 10 Prozent der alten halten sich für jung. Alle anderen halten sich für das, was sie sind. Jeder Einwohner wird gefragt: »Sind Sie alt?«. 34 Prozent antworten darauf mit Ja. Wie viele junge Menschen leben in dieser Stadt?

Lösungen:

1.) Jetzt ist es 12:00 Uhr. Roselyne hat um 11:51 Uhr auf die Uhr geschaut und die Zeit mit 12:11 Uhr verwechselt.

2.) Nach 30 Stunden (kleinstes gemeinsames Vielfaches von 2,3 und 5 Stunden) lassen sich die Populationen vergleichen: B wächst am schnellsten, C am langsamsten.

3.) Nach Pythagoras gilt für den Radius: r² = (r – 26 cm)² + (52 cm)². Als Lösung erhält man den Radius r = 65 cm.

4.) Sei x die Anzahl der jungen Einwohner. Dann gilt:
0,9 · (5000 – x) + 0,2x = 0,34 · 5000. Somit sind 4000 Einwohner jung.