Schueler

Büchner.Die Welt. Ein Riss.

THEATERmobileSPIELE zu Gast am Oken-Gymnasium

OFFENBURG. Mit wenigen Handgriffen kann sich ein einfaches Klassenzimmer in eine vielschichtige Theaterkulisse verwandeln. Hierfür braucht es nur einen Schauspieler, einen kreativen Regisseur und ein einfaches Bühnenbild, um das Publikum zu begeistern. Dies realisierte sich Anfang März 2016 am Oken-Gymnasium in Offenburg, zu dem die Abiturienten eingeladen worden sind, um einen lebendigen Einblick in Georg Büchners Leben und seine Werke zu gewinnen.

Anders als bei normalen Theaterstücken besucht das Publikum nicht das Theater, sondern das Theater kommt zum Publikum. Damit wirbt das THEATERmobileSPIELE mit Erfolg: Bereits zum zweiten Mal konnte die Jahrgangsstufe des Oken-Gymnasiums von der Ein-Mann-Inszenierung profitieren und eine facettenreiche Interpretation, unter anderem von „Dantons Tod“, zu sehen bekommen, die sie sich unter normalen Umständen nur hätten selbst zurecht legen können.

Eindrucksvoll stellte Dirk Emmert als einziger Schauspieler des Stückes unter der Leitung des Regisseurs Thorsten Kreilos gleichzeitig mehrere Charaktere dar, die die Protagonisten der einzelnen Werke Georg Büchners und ihn selbst hat aufleben lassen. Unter anderem waren die Werke „Lenz“, Leonce und Lena“, „Woyzeck“ und natürlich das Drama „Dantons Tod“, welches eines der Schwerpunktthemen des Deutschabiturs in diesem Jahr ist, vertreten. Aber auch einzelne Phasen des Lebens Georg Büchners, dem Schriftsteller und Revolutionär des 19. Jahrhunderts, selbst wurden aufgegriffen. Hierbei stellten der „Hessische Landbote“ und die Briefe Büchners an seine Nächsten einen wichtigen Teil dar.

Die Absicht Georg Büchners bestand darin, die historischen Begebenheiten, einschließlich der Personen und ihrer Denkweise, wahrheitsgetreu zu übermitteln. Somit idealisierte er nichts, sondern versuchte die Probleme des Volkes anzusprechen und zu entfalten. Themen, mit denen er sich in allen Werken und Briefen beschäftigte, waren zum Teil die Grenzerfahrungen der Menschen. Dies wurde zum einen durch den Tod des Kindes bei “Lenz”, zum anderen aber auch an der nicht vorhandenen Verbundenheit des Volkes zum König aus „Leonce und Lena“ ersichtlich. Im Drama “Dantons Tod” ist die Grenze am Scheitern der Revolution zu sehen. Im Allgemeinen sind in allen Werken die Themen Politik der Zeit, die Hoffnung auf eine bessere Welt, die Einsamkeit und letztendlich die Zerrissenheit der Welt im Fokus, welche alle auf der Weltanschauung Büchners basieren. Auch wenn die Schüler nur das Drama “Dantons Tod” gelesen haben, konnten sie eine gewisse Verbindung zu den anderen Werken herstellen.

Um diese Absichten auch dem Publikum zu vermitteln, war es Thorsten Kreilos wichtig, das Publikum, wenn auch nur indirekt, miteinzubinden. Aufgrund dessen wurde bereits zu Beginn darauf verwiesen, dass die Intimität zwischen Publikum und dem Schauspieler von wichtiger Bedeutung sei. Die Schüler symbolisierten nämlich während der gesamten Aufführung das Volk und wurden durch ständigen Blickkontakt zum Schauspieler miteinbezogen.

Das außergewöhnliche Bühnenbild stellte einen Gegensatz zum Gewohnten dar und so wie das Publikum eine Rolle spielte, waren auch die Requisiten und der Hintergrund bedeutsam für das Gesamtbild. Durch die Mischung der Naturmaterialien wie Leinen oder Holz und der moderneren Materialien wie beispielsweise Plastikfolien, konnte eine Verbindung zwischen der Welt Büchners und der heutigen hergestellt werden, wodurch verdeutlicht wurde, wie aktuell die behandelten Themen auch heute noch sind.

Besonders erstaunlich war die Schauspielkunst bezüglich des Wechsels der Charaktere. Da mehrere Personen nur von einem Schauspieler verkörpert wurden, musste dieser die Gefühle und Empfindungen auf einen Schlag ändern können. Dieser Umschwung der Stimmlage, der Gefühlsäußerungen und der Mimik und Gestik waren sehr beeindruckend.

Auch das Nachgespräch, welches kaum eine Frage mehr offen ließ, ist für die Profis von THEATERmobileSPIELE ein wichtiger Teil des Aufgeführten, denn es soll sichergestellt werden, dass den Schülern keine Fragen mehr offen bleiben und sie so auch nach dem Besuch des Stückes über das gerade Erlebte nachdenken können.

Folglich ist der Besuch von “Büchner. Die Welt. Ein Riss.” wesentlich mehr als bloß ein weiteres Stück über Georg Büchner; das Bühnenspiel, welches von Kreativität und Fantasie geprägt ist, kann als ein hautnahes Erlebnis beschrieben werden.

Beatrice Birkle/Xenia Welsch, J2