Schueler

Autorenlesung am Oken

Lesung mit Blanche Kommerell
Mascha Kaléko

Die Berliner Autorin, Schauspielerin und Rezitatorin Blanche Kommerell war vergangenen Mittwoch (20.02.2019) zu Gast am Oken-Gymnasium. Sie bot den Schülerinnen und Schülern der Klassen 10 a und b einen eindrücklichen Einblick in Werk und Biographie von Mascha Kaléko.

Blanche Kommerell verlieh, wie bereits bei ihrer Lesung zu Goethes Faust I vergangenes Schuljahr, ihrer Leidenschaft zu Autorin und Werk Ausdruck, indem sie Kalékos Lyrik mit bedeutenden Literaten in Beziehung setzte und die Bedeutung sowie den Aktualitätsgehalt ihrer Gedichte herausstellte.
Den Rahmen ihrer Lesung bildeten die aus dem Vagabundenspruch von Mascha Kaléko stammenden Verse Nimm deinen Mantel von der Wand und wandre. Damit ermutigte sie die versammelte Schülerschaft dazu, eines Tages ihren Mantel zu nehmen und aus ihrer Heimat wegzuwandern – und als junge Menschen vor allem das zu tun, was sie wollten und weniger das, was sie sollten. Blanche Kommerell verband Kalékos Werke mit den Stationen des Lebens der Dichterin und zitierte beispielsweise aus ihrem Interview mit mir selbst: Mein meistgesprochnes Wort als Kind war »Nein«. Ich war kein einwandfreies Mutterglück. Kommerell ordnete Kalékos Schaffen der „Gebrauchslyrik“ zu, da sie über alles habe schreiben können und man ihre Werke für alles „gebrauchen“ könne, sei es für Liebeskummer, die Liebe oder für die Zeit. Laut Kommerell verwendete Kaléko meisterhaft einfache Alltagsworte, die sie rhythmisch mit großer Raffinesse zu Versen formte.
Kalékos Leben ist zunächst von Erfolg, dann von Vertreibung und Verlust geprägt. Kommerell geht vor allem auf Kalékos schöne Zeit in Berlin während ihrer ersten Ehe ein. Innerhalb einer Dichtergruppe, die unter anderem aus Kästner und Ringelnatz bestand, war sie sehr beliebt und wurde als junge mutige und temperamentvolle Frau geschätzt. Sie verfasste auch Gedichte in Berliner Dialekt, den Kommerell zum Besten gab. Sie verglich den herzlichen badischen mit dem Berliner Dialekt: „Der Berliner Dialekt rotzt einen weg – das ist Berlin!“
Kommerell verdeutlichte neben den bedeutenden Phasen von Kalékos Leben ihre Lebensphilosophie und zitierte hierzu aus Sozusagen grundlos vergnügt: Ich freue mich vor allem, daß ich bin.
Blanche Kommerell schloss ihre Lesung mit der Frage nach dem Aktualitätsgehalt der Dichterin und danach, ob die Gedichte Kalékos nicht auch heute wie zu ihrer Zeit jeden Montag in der Zeitung erscheinen sollten. Das bejahten die Schülerinnen und Schüler, da Kaléko unter anderem kritisierte, dass es zu viele „Leute“ und zu wenig „Menschen“ gebe. Ihr zufolge müsse man sich im Sinne der folgenden Verse für eine bessere Zukunft aussprechen: Am hoffnungsgrünen Tisch der Nationen prosten die Narren sich zu mit Whisky und Wodka. Die Nichtmitmacher schweigen.

J. Suchant