Schueler
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25.01.2008: “Führerschein mit 12”

Badische Zeitung vom 25. Januar 2008

Landfrauen machen junge Gymnasiastinnen fit für den Haushaltsführerschein

Offenburg. Man spürt: Annika Lutz ist voll bei der Sache. Und obwohl die Zwölfjährige gerade Geschirr spült, zeigt sie sich begeistert: “Kochen hat am meisten Spaß gemacht.” Annika ist eines von 13 Mädchen des Okengymnasiums, die sich für das Projekt “Haushaltsführerschein” angemeldet haben, ein Gemeinschaftsprojekt des Kultusministeriums Baden-Württemberg und des Landfrauen-Landesverbandes Südbaden.

In der perfekt ausgestatteten Schulküche der neuen Mensa konnten die Schülerinnen von den beiden ausgebildeten Hauswirtschafterinnen Ingrid Schwörer und Sybille Sunderer lernen, wie man raffinierte und gesunde Rezepte zubereitet.

Doch damit nicht genug. Auf dem Lehrplan standen jede Menge hilfreicher Tipps und Anleitungen für das Arbeiten im Haushalt: Wie bringe ich meine Wohnung schnell auf Vordermann? Wie nähe ich Knöpfe an? Wie bügele ich faltenfrei? Oder wie wasche ich meinen Lieblingspulli richtig, damit er nicht einläuft?

“Manche Lehreinheiten waren schon etwas zäh” , gesteht Sybille Sunderer. Was denn? “Fenster putzen” , schmunzelt die Hauswirtschaftsmeisterin. Vielleicht auch deshalb, weil Fensterputzen nicht unbedingt zu ihren Lieblingsaufgaben gehört.

“Meine Mutter fand es gut, dass ich diesen Kurs besuche” , erzählt Esther Zimmer. Die Zwölfjährige hat immer zu Hause berichtet, was sie gelernt hatte. Zum Beispiel wie man richtig bügelt. “Jetzt habe ich meiner Mutter einen Gutschein für einmal Bügeln geschenkt” , berichtet Annika Lutz stolz.

Auch Jungs haben sich beworben, doch da war der Kurs schon ausgebucht

“Die Resonanz auf diesen Kurs Ernährung und Hauswirtschaft war groß” , betont Andrea Bastian, die die Betreuungsangebote des Oken-Gymnasiums gemeinsam mit Lehrerkollege Norbert Wickert betreut. Zwar hätten sich auch Jungs angemeldet, doch die Gruppe sei da bereits komplett gewesen.

“Die Landfrauen setzen sich ein, dass “Haushalt” als Schulfach unterrichtet wird” , sagt Ingrid Schwörer, selbst Mutter von zwei Kindern. Für den “Haushaltsführerschein” an Schulen hat die Vorsitzende der Landfrauen in Sand an einer pädagogisch orientierten Schulung teilgenommen. Man spürt ihre Begeisterung und das Engagement. Wie viele Stunden sich die beiden Frauen vorbereitet haben? “Das kann man kaum nachrechnen” , so Sybille Sunderer. Das ist den beiden Frauen auch nicht so wichtig. Ihnen hat’s Spaß gemacht und den Kindern auch.

Bevor Ingrid Schwörer den Mädchen die Zertifikate “Haushaltsführerschein” aushändigt, verteilt sie Beurteilungsbogen an die Teilnehmerinnen. Sie möchte ehrlich wissen, wie die Mädchen die einzelnen Lehrinhalte fanden. Was kann man verbessern? “Es ist nicht einfach, Institutionen für das Jugendbegleiter-Programm an unser Schule zu gewinnen” , betont Andrea Bastian. Die Ganztagesbetreuung am Oken-Gymnasium, eines von fünf Modell-Gymnasien im Ortenaukreis, wird durch die Betreuungsangebote des Jugendbegleiter-Programms ermöglicht. Der Landfrauenverband war die erste Institution, die ein Angebot für den Ganztagsbetrieb am Gymnasium anbot.

Waren im vergangenen Schuljahr ausschließlich Oberstufenschüler als Jugendbegleiter tätig, konnten nun auch Erwachsene gewonnen werden. Neben dem Haushaltsführerschein der Landfrauen bietet eine Mutter, ausgebildete Atelier- und Werkstattpädagogin, eine AG “Künstlerisches Gestalten” an.

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Mit Brief und Siegel haben’s diese Teilnehmerinnen, dass sie in Sachen Kochen, Bügeln oder Fensterputzen auf dem Laufenden sind. Bescheinigt haben das die Projektbetreuerinnen Sybille Sunderer (links), Ingrid Schwörer und Andrea Bastian (oben rechts).