Schueler

22.10.2013: „Jugendtreff Bibliothek“

Badische Zeitung, 22. Oktober 2013

Die Stadtbibliothek hat ihre Jugendabteilung frisch aufgewertet und neu geordnet.

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Ob Old School, also mit Büchern, oder mit neuen Medien: Die „You.lib“ will, dass junge Leute ab 13 die Jugendabteilung der Stadtbibliothek als ihren Aufenthaltsort entdecken. Foto: Christoph Breithaupt

OFFENBURG. Seit Freitagabend hat die Stadtbibliothek eine „you.lib“. Die neue Abteilung soll ein Treffpunkt für Jugendliche in der Bücherei sein, mit Couch-Ecke zum „Chillen“, Surf- und Chat-Möglichkeiten via Internet, einer „Hör-Bar“ mit Musik- und Literatur-CDs plus Konsolen für Spiele.

Zugleich wurde das Literaturangebot für Jugendliche neu sortiert. Es ist künftig nicht mehr in Belletristik und Sachgebietsgruppen geteilt, sondern thematisch gruppiert. So finden sich in der Abteilung „Boyz’n’Girls“ einerseits Romane über die Beziehung zum anderen wie zum eigenen Geschlecht, zugleich aber auch Sachbücher. Die „you.lib“ will dem Mediengebrauch von Jugendlichen auch dadurch entsprechen, dass man bei Neuanschaffungen zunächst den Nicht-Buch-Bereich aufstocken will: Spiele-, Sach- und Fach-DVDs. So soll der Nicht-Buch-Bereich in absehbarer Zeit 50 Prozent des Bestands der „you.lib“ ausmachen.

Wie Wolfgang Gall als kommissarischer Kulturchef der Stadt erklärte, will man sich nicht allein dem veränderten Medienverhalten anpassen, sondern die Bücherei für die Generation unter 18 Jahren attraktiv erhalten, sie als zwanglosen Treff etablieren, inklusive Limonade und der Möglichkeit, die Medien kostenlos in der „you.lib“ zu nutzen. Nutzer ab 13 Jahren sollen sie nutzen.

Darüber hinaus will das Bibliotheksteam von Zeit zu Zeit auf die Zielgruppe zugeschnittene Aktionen anbieten – und begann damit bereits bei der Eröffnungsveranstaltung. Schüler der 10. und 11. Klassen von Oken- und Grimmelshausengymnasium bestückten die „you.lib“ mit 34 eigens für die Eröffnung entstandenen Kunstobjekten. Das Besondere daran: Die Schüler nutzten als Material für ihre Arbeiten aussortierte Bücher aus dem Bibliotheksbestand. Der Besuch der Ausstellung lohnt sich, nicht zuletzt deshalb, weil der Umgang mit dem Material spannende Objekte hervorbrachte: Abstraktes, Ornamentales, Figürliches, Konkretes. Der Blick der Jugendlichen auf manche Themen führt zu witzigen Einfällen. So eine Arbeit von Larissa Bittiger vom Oken-Gymnasium. Sie verwandelte einen zerfledderten Roman mit dem Titel „Die Musik der Wale“ in eine Strandlandschaft – wobei das Taschenbuch von Feuchtigkeit und Sand zwischen den Seiten aufgequollen ist. Joshua Frank, ebenfalls Oken-Gymnasium, baute aus einem alten Wälzer mit einer heroisch-nordischen Saga eine Szene aus aktuellen Fantasy-Spielen. Der finale Fight zwischen Drache und Ritter sprengt dabei sozusagen die Buchdeckel und Drachenblut bespritzt den Einband. Eine Jury, bestehend aus Jutta Collmann von „Kunst im Rathaus“, Heinrich Bröckelmann als Leiter der Kunstschule und Winfried Eder, Kunstlehrer am Schillergymnasium, vergab vier erste Preise. Einer ging an eine Gemeinschaftsarbeit von Leo Brillet, Florian Götz und Vincent Münnich vom Grimmelshausen-Gymnasium. Das Trio fügte aus Exemplaren der Encyclopedia Britannica ein Bücherregal zusammen und fülle es mit Buchenholzscheiten. Die weiteren ersten Preise gingen an die Oken-Schülerinnen Anja Krumm, Anna-Lena Junker und Katharina Gorcenkova.