Schueler
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16.04.2011:”Zweisprachiges Miteinander in Berlin”

Badische Zeitung, 16. April 2011

Oken-Schüler besuchten gemeinsam mit Eleven des Lycée Marc Bloch die deutsche Hauptstadt.

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Das deutsch-französische Sprachenprojekt mit Berlin-Besuch begeisterte die Teilnehmer: hier die Schüler des Oken-Gymnasiums und des Straßburger Lycée Marc Bloch vor dem Theater am Kurfürstendamm . Foto: F.-J. Saam

 

OFFENBURG. Seit nunmehr sechs Jahren besteht eine Kooperation des Oken-Gymnasiums mit dem Lycée Marc Bloch aus Straßburg. “Berlin zwischen Ost und West” lautete das Motto der diesjährigen sogenannten Drittortbegegnung, einer besonderen Form des Schüleraustauschs, bei dem deutsche und französische Schüler gemeinsam für eine Woche eine Studienfahrt erleben.

Einen lebendigen Eindruck der bewegten Geschichte Berlins konnten die Schüler anhand einer mehrteiligen Stadtführung gewinnen. Sie begann als begleitete Stadtrundfahrt, fand ihre Fortsetzung in einem Spaziergang auf Berlins Prachtstraße “Unter den Linden” und endete mit dem Besuch des Museums “Story of Berlin”. Durch begehbare Installationen, Alltagsgegenstände aus Ost und West und zahlreiche audiovisuelle Präsentationen wird hier den Besuchern die Hauptstadtgeschichte anschaulich nähergebracht.

Im Stasigefängnis Hohenschönhausen erfuhren die Schüler vom menschenverachtenden Umgang des DDR-Machtapparates mit Andersdenkenden. Nachdenkliches Schweigen herrschte angesichts der physischen und psychischen Foltermethoden, mit denen es dem Unrechtsregime oft gelang, Geständnisse zu erpressen. Willkommene Abwechslung bot im Anschluss eine Spreefahrt.

Ein Besuch des Alliiertenmuseums und des Deutschen Historischen Museums stand ebenso auf dem Programm wie ein Theaterbesuch der Komödie am Kurfürstendamm. “Achtung Deutsch!” hieß das heitere Stück, in dem eine Multikulti-WG eine “urdeutsche” Familie mimte. “Ich hätte nie gedacht, dass Theater so amüsant sein kann”, stellte Jan Krieg, Schüler der 10. Klasse, fest.

Höhepunkt der Fahrt war der Abschlussabend, den die Schüler intensiv vorbereitet hatten. In einzelnen Beiträgen wurden die Erfahrungen und Erlebnisse der Woche kreativ umgesetzt. Die Theatergruppe spielte ein konfliktgeladenes Drama, in dem ein Ostberliner Mädchen für ihre Liebe zu einem Wessi kämpfte und sich gegen ihren Vater, ein ranghohes SED-Mitglied, durchsetzen musste. Eine weitere Gruppe ließ Reporter von unterschiedlichen Orten aus über Berlin berichteten. Andere hatten in einem deutsch-französischen Chanson ihre Erlebnisse verarbeitet oder erzählten eine fantastisch-groteske Geschichte anhand einiger Objekte, die sie während ihres Aufenthalts gesammelt hatten. Es gab ein Berlin-Quiz, eine multimediale Diashow, und es galt, als Außerirdische die Metropole den zuhause gebliebenen Extraterrestrischen nahezubringen. Zudem nahm eine Schülergruppe typische deutsche und französische Gesten und Ausdrücke der Alltagssprache aufs Korn.

Deutsche und Franzosen waren gemischt in ihrer Unterkunft untergebracht. Durch die gemeinsamen Aktivitäten verloren die Schüler schnell ihre Zurückhaltung. “Wir haben uns immer besser verstanden. Ich habe viel Französisch sprechen müssen und wichtige Wörter des Alltags gelernt”, sagte Esther Zimmer, Schülerin der 10. Klasse.

Tina Häberle und Frank-Jochen Saam, die begleitenden Lehrer des Oken-Gymnasiums, haben das Konzept des Schüleraustauschs mit ihren französischen Kollegen erarbeitet: “Inhaltlich muss ein klarer Schwerpunkt erkennbar sein. Die Schüler sollen über das Erfahrene in der Fremdsprache miteinander sprechen”, erläutern die beiden. “Unser Ziel ist es, dass möglichst dieselbe Schülergruppe in zwei aufeinander folgenden Jahren einmal nach Frankreich, einmal nach Deutschland fährt.” Dabei werden die beiden Hauptstädte, Berlin und Paris, sowie zwei Hafenstädte, Hamburg und Marseille, zu spannenden Orten der Begegnung, um anhand der konkreten Lebenswirklichkeit gemeinsam die Kultur zu erfahren.