Schueler

KZ Besuch Struthof

Intensive Erfahrung der Neuntklässler in KZ Struthof:
Ungeheuerliche Grausamkeit und unvorstellbares Leid

Struthof/Offenburg. Es war einer der Ausflüge, die den Teilnehmern noch lange in Erinnerung bleiben werden. Alle Schülerinnen und Schüler der neunten Klassen waren im Rahmen der Thementage im NS-Arbeitslager in Struthof, um das auf einem Gipfel der Vogesen in 800 Meter Höhe gelegenen Konzentrationslager Natzweiler, wie es im Dritten Reich offiziell genannt wurde, zu besichtigen. Was die Schüler dort an ungeheuerlicher Grausamkeit und unvorstellbarem Leid zu sehen und zu hören bekamen, sprengte alle Grenzen menschlicher Vorstellungskraft.

Struthof, 60 km von Straßburg entfernt, eigentlich bekannt für seine gute Luft, schöne Spaziergänge und weitläufige Skipisten, wurde bekanntlich spätestens ab Mai 1941 für über 50000 unschuldige Opfer aus 31 Ländern  zur Hölle auf Erden. So wurden hier junge Männer aus dem Elsass exekutiert, die sich der Einberufung zur Wehrmacht wiedersetzt hatten,  hier wurden mehr als 22 000 Häftlinge unschuldig ermordet, hier ließ der SS -Professor August Hirt von der Universität Straßburg in einer eigens errichteten Experimentier-Gaskammer Lagerinsassen als „Versuchskaninchen“ zu pseudo-wissenschaftlichen Experimenten vergasen oder grausam verstümmeln. Dies und noch viel mehr Abscheuliches erfuhren die Schüler beim gemeinsamen Gang über die z. T. sehr gut erhaltene Lageranlage. Fachkundig informiert wurden sie dabei durch die eigenen Klassenkameraden, die ihre Vorträge tags zuvor gut recherchiert und gründlich vorbereitet hatten.

Den Abschluss eines sehr intensiven und körperlich anstrengenden Ausflugtages bildete die Besichtigung der Feste Kaiser Wilhelm II, auch Fort de Mutzig genannt. In Mutzig, einem beschaulichen Ort auf halbem Weg zwischen Struthof und  Straßburg, hatte Kaiser Wilhelm II. im Jahre 1893 eine gewaltige Festungsanlage bauen lassen, um die Rheinebene gegen französische Angriffe aus dem Süden zu sperren. In der zweieinhalbstündigen Führung durch die sehr gut erhaltene Festungsanlage bekamen die Schüler unter Tage einen interessanten Einblick in den ausgeklügelten Aufbau einer Panzerfestung und den Alltag der 7000 Soldaten, die im Ernstfall für die Verteidigung und den vollständigen Betrieb dieses Prototyps moderner Festungen notwendig waren.

Norbert Wickert