Schueler

2000: 125 Jahrfeier

Angefangen hat’s in der Wilhelmstraße: Der Offenburger Gemeinderat beschloss im Frühjahr 1875, die oberen Klassen der Mädchenvolksschule (im ehemaligen Gebäude der Anne-Frank-Schule) in die „Höhere Töchterschule“ (ab 1881 „Höhere Mädchenschule“) umzuwandeln – das war die Geburtsstunde des heutigen Oken-Gymnasiums.

Neben der Klosterschule war diese die einzige Mädchenschule in Offenburg. 1926 nannte sie sich „Mädchenrealschule« – dann war eine Angleichung an den Status der Jungenschule vollzogen. Eine regelrechte Oberstufe gab’s aber noch nicht, obwohl die Zahl der studierwilligen Schülerinnen stetig größer wurde. Im Januar 1938 wurde sie dann genehmigt. Die Reifeprüfung war seither möglich. Gleichzeitig hieß die Schule fortan „Ortenauschule“. Da die Klosterschule von den Nazis zugemacht wurde, stiegen die Schülerzahlen, berichtet Klaus Faller, von 1972 bis 1983 „Oken“-Direktor.

Der Zweite Weltkrieg begann. Obwohl 1944/45 viele Schulen geschlossen wurden, wurde der Unterricht für die „Oberprima“ im Pfarrhaus Weingarten fortgeführt, sodass die jungen Frauen im März 1945 ihr Abitur machen konnten. Aber auch das Schulhaus in der Wilhelmstraße musste Im Herbst 1944 geschlossen werden. Bomben und Tieffliegerangriffe, insbesondere am 27. November 1944, dem Tag des großen Luftangriffs auf Offenburg, gefährdeten das Leben der Schülerinnen und Lehrer.

Am 5. November 1945 wurde der Schulbetrieb unter der kommissarischen Leitung von Otto Kast wieder aufgenommen. Und zwar im Schichtbetrieg mit der Schillerschule, deren Schule besetzt war — zunächst in der Wilhelmstraße. Weil das Gebäude dort aber stark beschädigt war, wurde der Unterricht ’46 in die Schillerschule verlegt. Die französischen Truppen hatten diese wieder geräumt. Die Schule hieß seither Oken-Gymnasium. Das „Exil“ endete 1953. In den Weihnachtsferien ging’s zurück in die Wilhelmstraße — in die beengten Verhältnisse im zweiten Obergeschosses der Mädchenvolksschule. Erst nach langen Kämpfen sollte der Wunsch nach einem eigenen Schulhaus 1963 in Erfüllung gehen: Auf den „Waldbachwiesen“ wurde neben der dortigen Volksschule (heute: Waldbachschule) ein neues Gebäude mit 14 Klassenzimmern erstellt. Da die Schülerzahlen rasant zunahmen, mussten bereits fünf Jahre später wieder Baumaschinen anrücken. Das „Oken“ wurde auf 33 Zimmer erweitert.

Damit einhergehend, aber wesentlich einschneidender, war die Einführung der Koedukation: Plötzlich wurde aus der Mädchenschule eine gemischtes Gymnasium. „Vom Schillergymnasium wurden auf einen Schlag etwa 300 Buben übernommen“, erinnert sich Klaus Faller, „für manche Lehrerinnen, die noch nie an einer Bubenschule unterrichtet haben, war das sehr hart.“ Von der Zeller Straße wechselten auch einige Lehrer in die Vogesenstraße.

(Quelle: Dominik Thoma, Badische Zeitung, 8. 12. 2000)