Schueler

1926: Mädchenrealschule

1881-1926: Höhere Mädchenschule

Als 1881 aus der „Höheren Töchterschule“ eine „Höhere Mädchenschule“ wurde, war dies keineswegs nur ein neuer Name. Der Staat hatte inzwischen die Grundlagen zur Entwicklung der Höheren Mädchenschulen geschaffen, und für die Offenburger Gemeindeverwaltung unter Bürgermeister Volk war es damals ein umkämpfter Entschluss, die notwendigen Mittel bereitzustellen und so die finanziellen Voraussetzungen zu schaffen. Von 1882 an wurden auch die Leitung, die Lehrkräfte und der Etat von der Volksschule getrennt geführt.

Von Schulgeld- und Lehrmittelfreiheit war allerdings noch lange nicht die Rede. Wenn man liest, dass damals das Schulgeld von 16 auf 36 Mark erhöht wurde, so muss man wissen, dass in jener Zeit das Durchschnittseinkommen der Bürger bei monatlich 150 Mark lag. Bis in die sechziger Jahre unseres Jahrhunderts hinein kostete es in mancher Familie ernsthafte Überlegungen, ob man Schulgeld und Schulbücher für die Tochter im Familienhaushalt verkraften könne.

Daraus erklärt es sich auch, dass bei dem gleichzeitigen Bestehen zweier Mädchenanstalten in Offenburg, Klosterschule und Höhere Mädchenschule, die letztere verhältnismäßig klein blieb. 1925 waren es 247 Schülerinnen in 7 Klassen, die von der Sexta bis zur Untersekunda (Mittlere Reife, früh. „Einjähriges“) führten und zu der darüber angegliederten „Frauenschule“ (früher (Selekta), die der Obersekunda entsprach.

1926: Mädchenrealschule

Direktor Hubert Rothfelder (1924-45) verdankt die Schule vieles, nicht zuletzt die Einführung der Oberstufe. Das Kollegium unter seiner Leitung Ende der zwanziger Jahre weist die Namen Stärk, Hefner, Dr. Hiß, Weber, Göller, Birmelin, Miltner, Bauer, Spatz, Wipper und Blattmann auf; mit ihren Namen leuchtet die Erinnerung an manche Schulstunde auf.

Die im Jahre 1926 eingeführte Bezeichnung „Mädchenrealschule“ ist kennzeichnend für die Angleichung der Höheren Mädchenschulen an den Status der Jungenschulen. Stand früher mehr ein weibliches Erziehungsziel im Vordergrund, so wurden nun bei gleichen Berichtigungen auch gleiche Lehrpläne eingeführt. Schon seit 1913 konnten Mädchen in die Oberstufe einer Oberrealschule für Jungen übertreten, allerdings nur unter gewissen Bedingungen; jetzt berechtigte das Zeugnis ohne weiteres, in einer Oberstufe das Abitur anzustreben.

Immer größer wurde die Zahl der Mädchen, die studieren wollten, und so traten z.B. schon 1925 16 Mädchen aus der Untersekunda der Höheren Mädchenschule in die Oberrealschule über. Aus der Elternschaft wurde der Ruf nach einer eigenen Oberstufe immer lauter, es war eines der Themen der 50-Jahrfeier 1925.

(Quelle: O.K. – Badisches Tagblatt, 17. April 1975 (gekürzt))